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"KAMPFHUNDE"
Verkannt, verleumdet und verachtet

von cand. med. vet. Markus Rogen



Es gibt wenig Themen, die so emotional, und mit so wenig Sachverstand diskutiert werden, wie der Bereich der sogenannten "Kampfhunde". Dieser Artikel ist der Versuch, ein wenig Hintergrundwissen zu vermitteln, denn jede Diskussion ohne sachliche Grundlagen verhärtet nur die Fronten und kann kein befriedigender Ansatzpunkt sein.

Vergeblich werden Sie in diesem Artikel nach Schauergeschichten von zerfleischten Passanten und den dazugehörigen blutrünstigen Bildern, in denen die Retusche noch kräftig mit dem Rotstift nachgeholfen hat, Ausschau halten. Sie werden keine Storys über Zuhälter und 'Kampfmaschinen' lesen - und auch nicht den Unsinn, dass besagte Hunde nicht auslassen können, oder ihre Welpen totbeißen.

Meiner Meinung nach sollte man das Wort "Kampfhund" zum Unwort der Neunzigerjahre erklären. Kreiert von sensationsproduzierenden Presseleuten sagt dieser Begriff überhaupt nichts aus. Was eigentlich ist ein sogenannter "Kampfhund"? Vielleicht ein Hund jedweder Rasse, der zum Kampf eingesetzt wird oder wurde? - Wenn ja - gegen wen? Alexander der Große führte großrahmige Hunde zur Bewachung seiner Lager mit sich heim nach Griechenland - waren das Kampfhunde - oder besser Kriegshunde? Manche meinen, es handle sich um Hunde, die gegen andere Hunde und Tiere kämpfen - dann wäre ein Dackel, der gegen den Fuchs im Bau kämpft, auch ein Kampfhund. Wieder andere - darunter auch viele Politiker meinen, es seien dies Hunderassen, die gegen Menschen kämpfen. Nun - dann wären die Gebrauchshunderassen - und damit der Schäferhund allen voran - eher "Kampfhunde", denn sie werden tatsächlich von Polizei und Militär als Schutzhunde eingesetzt. Die Hunde, die fälschlicherweise mit dem Begriff assoziiert werden, wurden nie zum Einsatz gegen Menschen gezüchtet - daher auch noch heute deren herausragende Menschenfreundlichkeit. Oder sind "Kampfhunde" Hunde, die Unfälle verursacht haben? Dann aber wieder wären es einzelne Hunde jedweder Rasse oder auch Mischlinge, die sich als bissig erwiesen haben; hier jedoch wäre analog zur nordrhein-westfälischen Gefahrenhundeverordnung der Begriff "gefährlicher Hund" naheliegender.

Häufig verwendet jedenfalls wird dieser irreführende Begriff im Zusammenhang mit molossoiden und bullterrierartigen Rassen. Die Molosser leiten sich, wie man heute vermutet, größtenteils von tibetmastiffähnlichen Hunden, die Alexander der Große nach Griechenland brachte, ab. Diese schweren, großrahmigen Hunde sollten besonders durch ihr Aussehen beeindrucken. Mit der Zeit verbreiteten sich diese Hunde über den Mittelmeerraum, später nach England und auch nach Südamerika und vermischten sich dort mit einheimischen Rassen. Bekannte Vertreter sind der Mastino Napoletano (Italien), Bordeauxdogge (Frankreich), Mastín Español (Spanien), Mastiff und Bullmastiff (England), Fila Brasileiro (Südamerika) und etliche andere. Fast alle diese Hunde haben eine hohe Reizschwelle, sind also sehr ruhig, aber nicht sonderlich arbeitsfreudig, so dass eine Ausbildung in Richtung Sporthund nicht unbedingt angeraten werden kann.

Die zweite Gruppe, welche ebenfalls mit diesem Begriff assoziiert wird, sind die Hunde, die ich als "Bullterrierartige" bezeichnen möchte. Diese Hunde sind später entstanden und besitzen teilweise molossoides Blut und teilweise Terrierblut, was diese Hunde agiler und arbeitsfreudiger macht. Die Reizschwelle ist zumeist mittel, und die Arbeitsfreude hoch, somit ist eine Eignung zur Ausbildung in allen möglichen Sparten, vom Schutzhund bis zum Rettungshund, durchaus hervorzuheben.

Es traten auch bei diesen Hunden Vermischungen mit jeweils einheimischen Rassen auf. Diese Hunde waren reine Arbeitshunde, welche als Helfer bei der Schwarzwildjagd, Bewacher, aber auch zur Vernichtung von Ratten und leider auch als 'gesellschaftliches Spektakel des armen Mannes' zum Kampf Hund gegen Hund eingesetzt worden. Hier möchte ich betonen, dass die Aggression anderen Hunden gegenüber in hohem Maß den Hunden antrainiert wurde, also nicht grundsätzlich genetisch bedingt ist. Sie sind jederzeit herzlich eingeladen, diese friedlichen Hunde auf unseren Ausstellungen zu beobachten. Die Tiere sind sehr menschenfreundlich und das Maß innerartlicher Aggression geht über das normale Maß terrierartiger Hunde gemeinhin nicht hinaus. Ausnahmen in Einzelfällen können nicht einer bestimmten Rasse zugeordnet werden.

Durch die gegebene Verwandtschaft mit den Molossern wäre es nicht korrekt, diese Hunde direkt der Gruppe "Terrier" zuzuschlagen. Das Temperament der Hunde liegt auch zumeist unter dem eines typischen Terriers, wie z.B. dem des Deutschen Jagdterriers. Typische Vertreter dieser Hunde sind z.B. der Englische Bull Terrier, der Staffordshire Bull Terrier, welcher ebenfalls aus England kommt, sowie American Staffordshire Terrier und American Pit Bull Terrier aus der Ursprungsgegend Nordamerika. Letztere beide wurden lange als eine Rasse geführt. Der American Staffordshire Terrier, wie auch Bull Terrier, Miniatur Bull Terrier und Staffordshire Bull Terrier werden heute von der FCI (Fédération Cynologique Internationale) betreut, der American Pit Bull Terrier von UKC (United Kennel Club), ADBA (American Dog Breeders Association) und etlichen kleineren Vereinen. Die FCI erkennt Rassen nur als solche an, wenn diese von ihr betreut werden Trotzdem muß gesagt werden, dass der American Pit Bull Terrier sehr lange liniengezüchtet wird, und vollständige Stammbäume bereits aus Zeiten existieren, zu denen der Deutsche Schäferhund noch lange auf sein erstes Erscheinen wartete.

Am längsten kennen wir aus diesen beiden Gruppen, deren Ursprung weit zurück in Tibet liegt, den Tibet Mastiff, dessen damaliges Erscheinungsbild sich vermutlich ziemlich vom heutigen unterschied. Bereits auf dem Fries des Tempels des assyrischen Herrschers Assurbanipal in Ninive kann man, heute im British Museum, London, Krieger sehen, die großrahmige Hunde dieser Art mit sich führen. Auch wenn durch die Jahrtausende sich Wesen und Erscheinungsbild verändert haben mögen, spricht doch bereits Plinius der Jüngere in einer seiner Abhandlungen über Tiere von großen, starken Hunden, deren Beschreibung genau an direkte Vorfahren des heutigen Mastino Napoletano erinnert.

Es sind in diversen Ländern Bestrebungen im Gange, derartige Hunde ausrotten zu wollen. Wie Sie im folgenden noch lesen werden, überschätzt man Gefahren, die von diesen Hunden ausgehen, extrem. Den Hund möchte ich auch als ein Kulturgut betrachten - als einen Spiegel des Menschen und seiner Geschichte, und es wäre ein Jammer, wenn diese Hunde, auf deren unverbrauchtes, kaum degeneriertes genetisches Potential man immer wieder zurückgreifen kann, von Ignoranten, denen jede Sachkenntnis, und auch die Bereitschaft, diese zu erwerben, fehlt, tatsächlich ausgerottet werden würden, denn eine Auslöschung ist irreversibel.

Die Hysterie der Bevölkerung wird einesteils durch einseitige Medienberichte geschürt, andererseits kann man diese Hysterie auch mit der Entfremdung des Menschen von der Natur zusätzlich begründen. Der durchschnittliche Städter weiß überhaupt nicht mehr, wie man sich einem Tier gegenüber verhält, geschweige denn, welche Bedürfnisse es hat. Dieses Unwissen baut irrationale Ängste auf, welche kaum mehr abzubauen sind - zumindest nicht in der breiten Masse der Bevölkerung. Dies wird immer schlimmer - besonders bei Kindern, und es ist schon ein sehr zweifelhafter Werbeerfolg, wenn man stolz ist, dass Kinder Kühe lila zeichnen, oder glauben, sie hätten einen Spezialhahn für Erdbeeryoghurt. Eine Lehrerin erzählte mir, dass tatsächlich einige Kinder in ihrer Klasse der Meinung waren, Milch sei ein industriell hergestelltes Kunstprodukt. Natürlich ist es aber auch nicht gut, wenn Menschen glauben, ihrem Kind ein Tier schenken zu müssen, die notwendige Sachkenntnis jedoch fehlt. Dies führt dann häufig zu neurotischen, fehlgeprägten Tieren - bei fast jeder Tierart.

Nehmen wir nun einmal Abstand von den landläufigen Meinungen, so werden wir feststellen, dass diese Hunde ganz anders sind, als sie dargestellt werden. Bei Gesprächen mit Tiermedizinern in der Praxis höre ich häufig, gerade diese Hunde seien bei der Behandlung besonders ruhig und gelassen, was wiederum deren Nervenfestigkeit bestätigt. Gefährlich wären Angstbeißer, nicht nervenstarke Hunde - erstere kommen bei den besprochenen Rassen so gut wie nie vor, außer die Tiere würden fehlgeprägt, was bei allen Hunderassen gleichermaßen zu einem unbefriedigenden Ergebnis führen würde. Besagte Nervenfestigkeit macht unsere Rassen im wirklichen Leben so angenehm, da es sich um Hunde handelt, auf die man sich zwar im Ernstfall verlassen kann, die aber nicht gefährdet sind, Überreaktionen zu zeigen.

Fast schon erheiternd ist das Argument der Gegner dieser Hunde, die Tiere wären potthässlich. Abgesehen davon, dass dies kein Argument zum Verbot sein kann, lässt sich über Geschmack streiten. Einem entnervten Mastinobesitzer, dem zum wiederholten Male vorgeworfen wurde, sein Hund sehe "wie ein Totalschaden" aus, und wie man sich nur ein derart hässliches Tier zulegen könne, kann ich seine Antwort wirklich nicht mehr verdenken: Er fragte den Reporter, warum er ausgerechnet diese Frau (sie stand neben ihm) geheiratet habe.

Das schlimmste, womit Besitzer dieser Rassen, abgesehen von Verbotsbestimmungen, konfrontiert werden, sind Vorurteile. Kaum jemand hatte je Kontakt zu diesen seltenen Rassen, aber jeder glaubt zu wissen, dass diese Hunde kein normales Hundeverhalten zeigen.

Unsere Rassen haben eine mittlere bis teils sehr hohe Reizschwelle, was heißt, dass sehr viel passieren muss, bis der Hund reagiert. Von unkontrollierten Beissern kann also nicht die Rede sein. Dass diese Hunde keinen anderen "Kiefermechanismus", wegen welchem sie nicht mehr auslassen können, besitzen, brauche ich Ihnen als Tiermedizinern nicht zu erklären - und ebenfalls nicht das von einer Frauenzeitschrift in die Welt gesetzte Gerücht, Pitbulls hätten 82 (!) Zähne. Hier hat wohl der Alligator Pate gestanden. Natürlich kann ein kräftigerer Hund im Zweifelsfall mehr Schaden anrichten, als ein kleinerer Hund, aber ein nicht diesen Rassen zugeschlagener großer Hund, beispielsweise eine Dogge oder ein Boxer können genauso beißen, ganz abgesehen von der Tatsache, dass große Hunde zumeist ruhiger sind und deshalb weniger Unfälle verursachen. Mir zumindestens ist es lieber, von einem kräftigen Mastino nicht gebissen zu werden, als einen schwächeren Dackel an der Wade hängen zu haben. Sie erkennen, wichtig ist nicht die Kraft, mit der ein Hund beißen könnte, sondern die Tatsache, ob er es tut, oder nicht. Wir raten allen Hundebesitzern, einen Hundeausbildungsplatz zu besuchen, denn ein gut erzogener Hund wird kaum negativ auffallen.

Natürlich gibt es fehlgeprägte, oder falsch, bzw. überhaupt nicht erzogene Hunde, die Unfälle verursachen. Dies liegt aber nicht an der Rasse, sondern am Besitzer. Auf dem Hundeplatz können Sie sich gerne davon überzeugen, dass im Schutzdienst auch Bullterrier und Molosser auf Kommando auslassen - sonst würden sie keine Prüfung bestehen, und die vorher abzuleistenden Unterordnungsübungen sind obligatorisch. Bei allen Rassen und Mischlingen ist es der Fall, dass korrekt ausgebildete Hunde, weniger Unfälle verursachen, als nicht ausgebildete Hunde.

Nächstes Vorurteil: Besagte Rassen beißen ihre Welpen tot. Wenn dem so wäre, wären ganze Hunderassen bereits ausgestorben. Niemand kann sich 24 Stunden am Tag neben die Wurfkiste setzen, oder der Hündin das Maul zubinden. Sollte derartiges Verhalten einmal beobachtet worden sein, so ist dies nicht physiologisch. Der Einzelfall besagt nichts über die Rasse, denn genetische Verhaltensdefekte kommen bei allen Rassen vor, und mir ist nicht bekannt, dass das Phänomen bei diesen Rassen gehäuft auftritt. Dagegen sprechen auch die vielen Würfe, die ich schon beobachtet habe.

Häufig ernte ich verdutzte Gesichter, wenn ich auf Ausstellungen im Informationsstand der rassebetreuenden Vereine, die den Haltern dieser Hunde mit Rat und Tat zur Seite stehen, stehe und den Leuten erkläre, diese Hunde würden sich gut mit Kindern vertragen. Das stimmt tatsächlich, denn ein Bulli beispielsweise nimmt es nicht übel, wenn ein Kind mal in den Fang fasst, oder an der Rute zieht. Oder hätten Sie gewusst, dass der lustige kleine Hund in der alten Kinderserie "Die drei kleinen Strolche" ein American Pit Bull Terrier war? Gleichwohl rate ich Eltern grundsätzlich, Kinder und Tiere nicht unbeaufsichtigt alleine zu lassen, denn erstens können auch Kinder Hunden etwas antun, und zweitens könnte ein Tier jeder Art auch die Handlung eines Kindes falsch verstehen.

Probleme in ganz anderer Art ergeben sich allgemein für viele Hunderassen. Ich möchte das den "Lassie-" oder "Kommissar-Rex-Effekt" nennen. Es hat noch keiner Hunderasse gut getan, populär zu werden. Erstens versuchen skrupellose Geschäftemacher, diese Hunde planlos zu vermehren - ich vermeide hier den Begriff 'züchten' absichtlich. Zuchtauswahl, Impfungen und Tierbetreuung werden vernachlässigt, so dass der unglückliche Käufer damit rechnen muss, einen kranken Hund, der nicht richtig geprägt wurde zu bekommen. Dies ist die eine Seite - die andere wird selten gesehen: Je populärer eine Rasse ist, um so wahrscheinlicher ist es, dass sie in falsche Hände gerät, denn um so weniger muss sich der potentielle Käufer bemühen, an diese Hunde zu kommen. Jemand, der bereits nach Literatur gesucht hat, Telefonate mit Zuchtverbänden geführt hat, zu einem Züchter am anderen Ende des Landes gefahren ist, wird über mehr Sachkenntnis verfügen, als jemand, der einen Hund schnell irgendwo an der Ecke gekauft hat. Ich werde noch darauf eingehen, dass Mischlinge und Schäferhunde in der Unfallstatistik ganz oben stehen. Dies ist nicht generell auf eine genetisch verankerte Gefährlichkeit dieser Hunde zurückzuführen, auch nicht auf die hohe Anzahl, sondern darauf, dass jedem Ignoranten, der nur mal eben zur Bewachung einen "scharfen Hund" wünscht, Rassen wie Schäferhund oder Dobermann zuerst einfallen. Es ist zwar festzustellen, dass auch die Rassen, um welche es in diesem Artikel geht, derzeit vermehrt gehalten werden, jedoch ist die Gesamtzahl nach wie vor verschwindend gering.

Schuld an der Tatsache, dass dennoch momentan eine verstärkte Nachfrage besteht, sind eindeutig negative Presseberichte. Aufgrund dieser interessiert sich nämlich bisweilen genau die Klientel für besagte Rassen, die wir nicht in unseren Reihen haben wollen. Uns ist es am wenigsten recht, wenn irgendwelche Personen sich derartige Hunde zulegen, nur um ihr angeschlagenes Ego aufzuwerten, oder weil sie in ihrem Hund eine Waffe sehen. Dies ist aber keinesfalls die Schuld der Hunde - und scharfmachen kann man jeden Hund - unabhängig von der Rasse. Hoffentlich merken diese Leute möglichst bald, dass diese Hunde, die nie zum Angriff auf Menschen gezüchtet wurden, das gar nicht halten, was bestimmte Leute von ihnen erwarten.

Aber die Presse lässt nicht locker - zu schön sind die immer wieder aufgewärmten Horrorstorys, von denen man nicht einmal weiß, ob sie jemals passiert sind; zu gut verkauft sich das Blut, das aus der Zeitung herausläuft, wenn man sie nicht genau waagrecht hält, und zu gerne lesen die Leute die Gruselgeschichten vom reißenden Kampfhund - kostet doch eine Ausgabe einer gut bebilderten Tageszeitung höchstens ein Drittel einer Geisterbahnfahrt. Der Grund ist meines Erachtens darin zu suchen, dass Menschen dazu neigen, sich auf irrationale Gefahren zu vermehrt stürzen. Da objektiv kaum eine ernstzunehmende Gefahr von diesen Hunden ausgeht, kann man sich, ohne selbst groß gefährdet zu sein, wunderbar aufregen. Die Tatsache, dass manche Menschen an einer regelrechten Hundephobie leiden, ist bedauerlich - aber irrationale Ängste können kein Grund zu einer Diskriminierung ganzer Hunderassen sein.

Die Absicht der Presse ist es, Kuriositäten zu berichten, nicht alltägliches aufzuwärmen. Der Schäferhund, der einen Passanten beißt, ist nichts Außergewöhnliches, ebensowenig wie der völlig normale Hundehalter der Freude an seinem Bullterrier hat und mit ihm glücklich seit zehn Jahren zusammenlebt - Sie werden keine Zeile davon lesen. Der vermeintliche 'Kampfhund' hingegen ist immer eine Meldung wert - gerade weil es so selten vorkommt. Wenn dem nicht so wäre müßte die Presse auch nicht immer wieder auf uraltes Archivmaterial zurückgreifen. Völlig abgesehen von selbstproduzierten Falschmeldungen bestimmter Sender. Wenn man einem mittellosen Bewohner auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslaviens, der nicht weiß, wie er das Abendessen für seine Familie bezahlen soll, das Jahresgehalt eines Bankdirektors dort dafür bietet, dass er mal kurz seine Hunde raufen läßt, und dieser sich dafür hergibt, hat das nichts mehr mit objektiver Berichterstattung zu tun. Sicher - Unfälle mit Hunden sind bedauerlich, aber vor einiger Zeit berichtete die dpa, dass ein Bullterrier in Australien eine Person leicht verletzt hat. Man fragt sich schon, was sonst 20.000 km entfernt von hier passieren muss, dass es der dpa eine Meldung wert ist - es muß schon mindestens ein größeres Flugzeug abstürzen.

Bewusst haben wir häufig auf Ausstellungen die Presse eingeladen. Jedesmal sitzen die Reporter dann, meist für sie kostenlose Sandwiches essend, herum und warten mit gezückter Kamera darauf, dass ein Kind gefressen wird. Leider können wir damit nicht dienen, und vor Ausstellungsende fragen wir dann immer die Reporter, wann denn etwas gesendet würde, was ihnen dann ein müdes Lächeln und die Auskunft "Drehen Sie mal die Abendschau auf - allerdings, wenn heute etwas wichtigeres passiert ist, sind die Chancen gering." entlockt. - Einfach toll, diese objektive Berichterstattung. Tatsachen, wie zum Beispiel die, dass derartige Hunde sogar erfolgreich als Rettungshunde eingesetzt werden, ignorieren die Medien trotz unserer dahingehenden Informationen. In America wird der American Pit Bull Terrier übrigens als 'social dog' verwendet. 'Social dogs' sind Hunde, mit denen die Besitzer in Krankenhäuser, Altenheime etc. gehen, um den dortigen Personen wenigstens etwas Abwechslung und soziale Kontakte zu verschaffen.

Diese ganze Pressehetze führt immer wieder zu Verboten oder Haltungsbeschränkungen, die ganze Rassen beinhalten. Unsere Aktion für bedrohte Hunderassen setzt sich sehr für die Belange der Halter ein, und so ist es uns gelungen, derartige Verordnungen in Hamburg, im Saarland und in Baden-Württemberg auf dem Klageweg zu beseitigen. In Nordrhein-Westfalen konnten wir an einer Gefahrenhundeverordnung, die Vorbildcharakter haben soll, mitarbeiten. Diese Verordnung kennt nur gefährliche Hunde (jedweder Rasse) und verzichtet auf die willkürliche Nennung einzelner Rassen. Unseres Erachtens ist es juristisch nicht zulässig, ganze Rassen zu verbieten. Erstens widerspricht das dem Gleichheitsgrundsatz - zweitens müßte man dann die Rassen verbieten, mit denen statistisch das meiste passiert, was objektiv nicht der Fall ist.

Aufgeführt werden stets Rassen, die nur mit wenigen Exemplaren vertreten sind. Mit Hunderttausenden von Schäferhundehaltern legt sich kein Politiker an - verbieten sie jedoch wenige, selten gehaltene Rassen können sie den Wählern erzählen, sie hätten das "Kampfhundeproblem", (das gar nicht existiert) erfolgreich gelöst, um von anderen, wichtigeren Problemen abzulenken.

Übrigens - die Unfallstatistiken sind objektiv - sie stammen vom Deutschen Städtetag, dem man ohnehin sogar eher Hundefeindlichkeit vorwerfen könnte - allein schon wegen der Hundekotdiskussion, sowie von der nordrhein-westfälischen Polizei.

Seltsame Blüten treiben rassespezifische Verordnungen bisweilen: Bayern, das ein Totalverbot (Zucht und Haltung) bestimmter Rassen kennt (übrigens der Grund, warum ich momentan keinen Hund haben kann), nennt in der Verordnung, gegen die wir mittlerweile in Karlsruhe geklagt haben, die Rasse Tosa Inu - leider gab es zu dem damaligen Zeitpunkt in ganz Bayern nur einen Tosa - und der fiel unter den Bestandsschutz und ist mittlerweile tot. Requiescat in pacem - mens sana in Campari Soda! Baden-Württemberg nannte damals in der Verordnung den Miniatur-Bullterrier - wie diese paar Kilo Hund großen Schaden anrichten sollen, ist uns bis heute schleierhaft. Interessant ist auch, dass verschiedene Länder völlig unterschiedliche Rassen zu "Kampfhunden" erklären. Ist etwa ein bayerischer American Staffordshire Terrier gefährlicher als ein holländischer? Bemerkenswert auch, dass so gut wie nie in Ländern Rassen verboten werden, die aus dem betreffenden Land stammen - gibt es etwa auch bei Hunden ein Ausländerproblem?

Ein Gesetzesvorschlag in einem der neuen Länder nennt Hunderassen, die es gar nicht gibt - und noch nie gegeben hat. Vielleicht war aber auch der Beamte schwerhörig, als er nach dem Telefonat die Rassen "Vilabrasil" und "Mastiono Neapolitaner" - nicht zu verwechseln mit einer bekannten österreichischen Nussschnitte - kreierte... Wir setzen uns momentan auch vehement gegen die Erhebung von Kampfhundesondersteuern ein. In vielen Gemeinden gibt es übrigens eine Kampfhundesteuer - allerdings gab es dort noch nie einen derartigen Hund. Operative Hektik ersetzt hier offenbar geistige Windstille...

Auch aberwitzig ist, dass es, soweit ich weiß, noch kein Politiker geschafft hat, alle Rassen auf einem Bild oder in natura zu erkennen, die er verboten hat, oder verbieten will. Absurd die Tatsache, dass in Unfallmeldungen, die von der Polizei aufgenommen werden, häufig 'Pitbull' steht, ohne dass die Identität der Rasse annähernd festgestellt wurde. Ein Spiegelbild der öffentlichen Meinung - alles was mittelgroß ist, kurzhaarig und bissig kann ja nur ein Pitbull sein - frei nach dem Motto: "Unsere Meinung steht fest - bitte verwirren Sie uns nicht mit Tatsachen!". Welch Wunder, dass trotzdem die Statistiken für uns immer noch recht gut aussehen.

Verbote ganzer Rassen mit der Begründung potentieller Gefährlichkeit schießen offensichtlich über das Ziel hinaus. Wenn man alles verbietet, was potentiell gefährlich ist, hätten wir weder Autos noch Messer, Gabeln oder Medikamente. Effektiv passieren in unserem Land pro Jahr durchschnittlich drei tödliche Unfälle mit Hunden aller (!) Rassen. Man soll zwar einen Mißstand nicht mit einem anderen entschuldigen, und jeder Unfall mit einem Hund ist einer zuviel, aber statistisch gesehen sterben meines Wissens selbst jährlich mehr Leute an Blitzschlag als durch Hunde in diesem unserem Lande - und von den Toten auf den Autobahnen möchte ich gar nicht sprechen.

Kurz gesagt - jedes unserer Bundesländer kennt ohnehin Rechtsgrundlagen, denen zufolge unzuverlässigen Haltern die Hundehaltung untersagt werden kann. Außerdem können Hunde, die sich als bissig erwiesen haben, mit Maulkorb- und/oder Leinenzwang belegt werden. Selbst Tötungsanordnungen der Hunde können ausgesprochen werden. Wenn man diese bestehenden Gesetze richtig anwendet, ergibt es keinen Sinn, geschweige denn eine Notwendigkeit, ganze Rassen zu verbieten.

Bestimmte seltene Rassen, die nicht vermehrt an Unfällen beteiligt sind, zu verbieten, um die Unfälle, die, verursacht durch falsche Haltung, mit Mischlingen und Schäferhunden passieren, zu verhindern, hat meines Erachtens, um einen Satz von Dieter Hildebrandt zu zitieren, "den Nährwert, wie wenn man seinen Zimmerkaktus mit Rheumasalbe begießt, um ihn vor der Rinderseuche zu schützen."

Nun hoffe ich, dass ich ein wenig Sachlichkeit in die Diskussion eingestreut habe - gerade in der Tierärzteschaft sehe ich eine Chance, denn vielleicht wird doch der eine oder andere Tierarzt zu diesem Thema gefragt - auch wenn vielleicht wieder eine Gemeinde die Hunde verbieten oder Steuer erheben will.

Der Hund war 12.000 Jahre Beschützer des Menschen, aber auch Gefährte und Jagdhelfer. Eine derartige Behandlung, aber auch eine zu starke Vermenschlichung hat er nicht verdient. Es gibt keine "Kampfhunderassen" - ein Hund als in der Evolution hochstehendes Individuum ist sehr lernfähig und kann von Menschen stark geformt werden. Setzen wir uns dafür ein, dass ein Mißbrauch der Hunde verhindert wird, dass Halter jedweder Rasse zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie sich falsch verhalten. Setzen wir uns dafür ein, dass nur geeignete Halter Hunde bei seriösen Züchtern kaufen. Wäre dieses Ziel erreicht, hätten wir viel gewonnen.

Fragen bezüglich dieser Thematik und auch die Rassen direkt betreffend beantworte ich Ihnen gerne. Es gibt übrigens Institutionen, die sich um aufgefundene, ausgesetzte und herrenlose Tiere speziell dieser Rassen kümmern. Bei Bedarf versuchen wir auch hier, Ihnen weiterzuhelfen. Der deutsche Dachverband der FCI-organisierten Hundevereine in Deutschland ist übrigens der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) - dort bekommen Sie Auskunft über alle FCI-Rassen und werden ggf. an den/die jeweiligen Rassehundezuchtverband/-verbände weitergeleitet.

Markus Rogen
cand.med.vet.
Perathonerstr. 12
D-81545 München
Tel.: 089-642739-62
Fax: 089-642739-64
Quellenverzeichnis:

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Cesarino, Felice: Il Molosso; Fausto Fiorentino, Napoli 1995
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Cline/Martindale: The American Pit Bull Terrier - Picture this, Preservation Publishing, Vancouver 1992
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Deutscher Städtetag: Hunde in den Städten - Ergebnisse von Umfragen zur Hundehaltung, Hundesteuer und zu der Gefährlichkeit von Hunden; Dt. Städtetag, Reihe DST-Beiträge zur Kommunalpolitik Reihe A Heft 17, Köln 1992
Endangered Breed Association USA: EBA Newsletter - diverse Ausgaben - 1995, 1996, 1997
Hallum, Boen: The Pit Bull Sting - the other side of the story; Quests, Columbus, OH, USA 1987
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Imbimbo, Nicola: Il Mastino Napoletano, Editoriale Olimpia, Firenze, 1977
Müller, Heinz: Der Bullterrier, Parey Hamburg/Berlin 1992
Nicholas, Anna Katherine: The Staffordshire Terriers, t.f.h. publications, Neptune City, NJ, USA 1991
Rocca, Frank: A Living American Legend, Published by Rocca, Frank, Dorset, Ohio 198
6 Slijpe, van Max: De American Staffordshire Terrier in Nederland, Slijpe, Bemelen, NL 1995
Weisse, Walt et.al.: Molosser, Kynos Verlag Mürlenbach 1987
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Zacchi, Mario: Il Molosso, Calderini, Bologna/Roma/Milano 1983


Expertenmeinung


Mittmann, Angela: Untersuchung des Verhaltens von 5 Hunderassen und einem Hundetypus im Wesenstest nach den Richtlinien der Niedersächsischen Gefahrtierverordnung vom 05.07.2000

Zusammenfassung
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurden die Wesenstests von 415 Hunden der Kategorie 1 (American Staffordshire Terrier und Bullterrier sowie Hunde vom Pitbull-Typus) und Kategorie 2 (Rottweiler, Dobermann und Staffordshire Bullterrier) ausgewertet. In diesen Tests wurde auf Grund der Niedersächsischen Gefahrtier-Verordnung (GefTVO) im Zeitraum von August 2000 bis Mai 2001 das Verhalten der Hunde im Hund-Mensch- und Hund-Umwelt-Kontakt überprüft. Es wurde untersucht, ob es einen signifikanten Unterschied im Verhalten zwischen den Tieren der Kategorie 1 und 2 gibt, der eine Aufteilung der Hunde in zwei Kategorien und die daraus resultierende, unterschiedliche Behandlung in rechtlicher Hinsicht rechtfertigte. Ferner wurde untersucht, ob es Hinweise auf eine Rassedisposition für gestört oder inadäquat aggressives Verhalten bei den getesteten Rassen und Hunden vom Pitbull-Typus gab.

Das Verhalten der Hunde wurde Kategorien (Skalierungen) zugeordnet. Dabei steht die Skalierung 1 für jedes Verhalten, bei dem keinerlei aggressive Signale beobachtet werden konnten. Die Skalierungen 2-7 stehen für aggressives Verhalten verschiedener Eskalationsstufen. Das Verhalten der Hunde wurde in 35 unterschiedlichen Situationen erfasst.

158 der 415 Hunde zeigten im Wesenstest in keiner der 35 Testsituation aggressives Verhalten (höchste erreichte Skalierung 1). Weitere 201 Hunde drohten in einer oder mehreren Situationen optisch und/oder akustisch (höchste erreichte Skalierung 2). Nur wenige Tiere zeigten als höchsten Wert 3 (Schnappen mit stationärem Körper; zwölf Hunde) und 4 (Schnappen mit unvollständiger Annäherung; sechs Hunde). 37 Hunde reagierten mit der höchsten Skalierung 5 (Beißen oder Angreifen mit vorangegangenem Drohverhalten). Ein Tier reagierte mit der Skalierung 6 (Beißen ohne vorangegangenes Drohverhalten) und kein Tier mit der Skalierung 7 (Beruhigung nach Eskalation erst nach über 10 Minuten).

395 der getesteten Hunde reagierten nach dem Bewertungssystem den Situationen angemessen. Für diese 95 % der 415 getesteten Tiere gab es demzufolge keine Hinweise für gestört oder inadäquat aggressives Verhalten. 19 Tiere wurden als inadäquat aggressiv und ein Hund als gestört aggressiv beurteilt (zusammen 5 %). Die Situationen, in denen diese 20 Hunde vermehrt gestört oder inadäquat aggressives Verhalten zeigten, waren gekennzeichnet durch ungewöhnliche, schnelle oder abrupte Bewegungen.

Im Vergleich der einzelnen Rassen sowie der Hunde vom Pitbull-Typus ergab diese Untersuchung keinen signifikanten Unterschied hinsichtlich des gezeigten aggressiven Verhaltens der Skalierungen 3, 4, 5 und 6. Die Aufteilung der Hunde in zwei Kategorien und die daraus folgende unterschiedliche Behandlung ist infolgedessen nicht gerechtfertigt.

Aufgrund dieser Ergebnisse ist der Wesenstest nach der GefTVO als Pflicht für alle Hunde der fünf getesteten Rassen und der Hunde vom Pitbull-Typus nicht zu rechtfertigen. Ungeachtet dessen ist der Wesenstest geeignet, um inadäquat und/oder gestört aggressive Hunde zu selektieren, und damit ein Werkzeug, um das Verhalten auffällig gewordener Hunde gleich welcher Rasse zu überprüfen. Darüber hinaus sind eine verantwortliche Hundezucht, eine gute Sozialisation der Welpen und eine sachkundige und verantwortungsbewusste Haltung aller Hunde unverzichtbar, um der Entstehung inadäquat und gestört aggressiven Verhaltens vorzubeugen und ein entspanntes Zusammenleben von Mensch und Hund zu gewährleisten.




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